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Bernard Antony – er redet über Käse wie andere über Frauen oder Autos

Maître Bernard Antony ist wohl der DER Käseveredler auf diesem Planeten. Die wenigsten kennen ihn persönlich. Doch jeder, der schon einmal in einem vom Guide Michelin mit 3 Sternen ausgezeichneten Restaurant war, hat wahrscheinlich von seinen Meisterstücken probiert. Restaurantkritiker, Sterneköche, Staatsoberhäupter und Käse-Aficionados von New York bis Tokio gehören zu seinen Fans, die ins anschauliche Vieux-Ferrett im südliche Sundgau pilgern oder ihren Hubschrauber zum Käseabholen hinschicken.
1998 kam ein Bestseller für Manager heraus mit dem Titel „Who moved my cheese?“ (auf Deutsch unter dem Titel „Die Mäusestrategie“ erschienen). Es ist eine Parabel über zwei Mäuse und zwei mausgroße Menschen. Während die Mäuse in Jogginganzügen und Turnschuhen unermüdlich auf der Suche nach gutem Käse sind, grübeln und knobeln die Menschen nur herum, wo es guten Käse geben könnte. Aber die Menschlein unternehmen nichts. Sie sitzen untätig herum. Selbst als ihr Käsevorrat dahin schwindet, bleiben sie an Ort und Stelle und palavern nur herum, wie guter Käse schmeckten müsste und wo es ihn geben könnte.
Wir sind weder Mäuse, noch haben wir Jogginganzüge oder Turnschuhe an, aber trotzdem können wir uns schnell fortbewegen. Wir sitzen im Auto, verlassen kurz nach Basel die Autobahn und fahren nun über Land. Man sagt das immer so leichtsinnig daher, über’s Land fahren. Aber hier stimmt es wortwörtlich. Weite Ackerlandschaften wechseln sich mit dichten Wäldern ab. Der Wildbestand ist üppig. Der Verkehr gering. Hier im Sundgau, dem südlichen Elsass, achtet das Wild nicht auf ab und zu vorbei fahrende Autos, die ihre Pfade kreuzen und tappt deshalb sehr oft in solche tödlichen Fallen wie wenig befahrene Landstrassen.
Zum Glück fahren wir nicht über einen Hasen oder Igel, sondern durch lustig klingende Ortschaften wie Muespach-le-Haute, Hagenthal-le-Bas und Fislis. In das zuletzt genannte Dorf sind wir nur deshalb gelangt, weil wir uns verfahren haben. Kurz nachdem wir endlich in Vieux-Ferrette hineinfahren, verpassen wir doch glatt die Abzweigung zur Rue de la Montagne. Und schon stehen wir am Ende des Dorfes. Kein Supermarkt, kein Einkaufszentrum, noch nicht ein mal ein Café. Nur ein Bekleidungsladen für vollschlanke Damen gibt es hier. Dabei existiert dieses Dorf schon seit der Römerzeit. Und die Alemannen nannten diesen Ort Alt-Pfirt. Immerhin wohnen hier 564 Menschen.
Bescheidenheit hat hier eine lange Tradition.
Als wir endlich die Rue de la Montagne finden, fahren wir zunächst an dem Bauernhaus mit der Nummer 17 vorbei. So klein und unscheinbar sieht es aus, dass wir uns zunächst nicht vorstellen können, hier richtig zu sein. Als wir dann davor stehen, sehen wir das Holzschild über dem unprätentiösen Eingang: Sundgauer Käs-Kaller. Doch, hier sind wir richtig. Oder ist dies nur die Verwaltung? Eine Außenstelle? (Weiterlesen auf xiiboo publishing)